Naja, also wir kochen die Würze aus mehreren Gründen: ich ordne mal der Wichtigkeit nach:
1. Koagulieren der Eiweisse:
Teile des Eiweisses werden ausgefällt und fallen dann beim Kochende als sogenannter Koch- oder Heißtrub an. Für das Koagulieren ist die Intensität des Kochens verantwortlich, also informell gesagt, es ist egal ob Du 2 Stunden bei 90 Grad oder eine halbe Stunde bei 120 Grad kochst. Das war jetzt aber sehr informell...
2. Isomerisierung der Alphasäuren aus dem Hopfen:
Die Alpha- und Betasäuren im Hopfen liegen in Wasserunlöslicher Form vor. Durch das Kochen werden sie in Isoalpha- und Isobetasäuren überführt. Diese sind dann löslich und gehen mit ins Bier ein. Je länger und intensiver man kocht, desto mehr gehen davon in Lösung. Das hängt aber auch mit der Konzentration der Würze zusammen. Die Aromastoffe des Hopfens werden größtenteils von einer langen Kochdauer negativ beeinflusst, d.h. sie verdampfen. Deshalb kommt die Aromahopfengabe ja auch meist ganz zuletzt.
3. Ausdampfen unerwünschter Aromastoffe:
Es ist wichtig, eine gewisse Verdampfung zu erzielen beim Würzekochen, um einige Aromastoffe, die sich unter anderem auch erst beim Kochen bilden, zu entfernen. Ich nenne hier mal DMS (DiMethylSulfid) bzw. seinen Vorgänger DMS-P.
Früher hat man die Leistung einer Pfanne nach Verdampfung (Liter/h) angegeben, heute gibt es sparendere Methoden (zum Beispiel das neue SchoKo-Verfahren(Schonkochen). Hierbei wird die Würze unterhalb des Siedepunktes gehalten, also auch viel weniger Energie gebraucht. Am Ende des Kochens wird der Fokus auf eine Verdampfung gerichtet und das Bier strömt in dünner lage über einen heissen Kegel. Bisserl blöd zu beschreiben, vielleicht findet der eine oder andere Interessierte ja was im Netz.
Es gibt noch ein paar Dinge, die durch die Kochzeit beeinflusst werden, aber ich denke, das sind erst mal die Wichtigsten...
Gruß aus Berlin
Rolf
Zitat:
Ich habe mir schon immer die Frage gestellt, welchen Einfluß nimmt die Kochdauer auf das Bier?
In vielen Rezepten liest man 60, 90 oder sogar 120 Minuten. Habe aus wirtschaftlichen (ist ein tolles Synonym für Geiz) Gründen immer 60 Minuten gekocht.
Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht?
Grüße Oliver