Hallo zusammen,
trotz regen Zuspruchs auf den Beitrag, waren die Antworten leider auch nur spekulativ. Ich habe daraufhin das Problem an Hubert Hanghofer geschickt, den ich ich in diesem Forum wahrscheinlich nicht näher vorstellen muss. Er hat sehr schnell geantwortet und des Pudels Kern getroffen. Ich möchte Euch die Antwort nicht vorenthalten, vielleicht hilft sie ja dem ein oder anderen Roggenbrauer weiter.
Gruss Frank
Zitat : Ich verwende hin und wieder RoggenMALZ und erhalte damit bereits ab 5-10% Schüttungsanteil permanente, wenn auch leichte Trübungen, die vermutlich von den beta-Glucanen (Gummistoffen) herrühren. Ab 20-30% zeigt die Hefe eine deutlich schlechtere Flockung mit staubig-"suppigem" Absetzverhalten, größeren Hefemengen in der Flasche, deutlich höhere Viskosität und stärkerer Hefeautolyse, was zu schlechten Schaumeigenschaften führt.
Die Viskosität von RoggenMALZmaischen ist aufgrund der Glucane etwa 5x so hoch wie von normalen Malzmaischen, was das geänderte Flockungs- und Sedimentationsverhalten der Hefe erklären dürfte. Bei Rohfrucht sind die Verhältnisse sicher noch viel extremer. Ich kenne einen Brauer, der hat mit geringen Anteilen RoggenSpitzMALZ (kurz gekeimt für Bäckereien) mit seinem selbstgemachten Schlitzboden gar nicht mehr abläutern können!!
Die ca. 5 µm grossen, eiförmigen Hefezellen kann man auch mit einem "Spielzeugmikroskop" sehr leicht identifizieren und ich würde daher das Sediment im Mikroskop ansehen. Ich bin mir sicher, dass der Hauptanteil aus Hefezellen besteht.
Allzeit gut Sud Hubert Hanghofer *************************************************************************** Weitere Stellungnahme zur Gummirast von Herrn Hanghofer :
Eine "Gummirast" bringt allenfalls bei geringen Glucananteilen was. Industrielle Brauereien, die ihr Bier filtern müssen, achten auf Betaglucan im Malz (geringe Anteile auch im Gerstenmalz) und korrigieren ihn ggf. beim Maischen, damits bei der Filtration keine Probleme mit der Viskosität gibt!
Die in der Maische über das Malz eingebrachten b-Glucanasen dürften bei weitem nicht ausreichen, um den hohen Glucangehalt von Roggen abzubauen - das bringt sicher wenig. Nicht umsonst setzen österreichische Brauereien, die Roggenbier herstellen, industrielle Glucanasen zu (aus Bakterienfermenten gewonnen).